Depression im Alter

Depression-Frau-AltersdepressionÄlter werden will niemand so richtig gerne und alt sein ist wenn man ehrlich ist, nicht schön. Aber jeden Menschen ereilt der Alterungsprozess mehr oder weniger heftig. Wenn dann noch die Lebenspläne nicht so richtig aufgegangen sind, oder man vielleicht gar keine hatte und plötzlich vor einer großen Leere steht, oder wenn körperliche Erkrankungen das Älter werden und alt sein noch anstrengender machen. In solchen Zusammenhängen kann es zu Depressionen und Angsterkrankungen kommen.

Studien zeigen, dass jeder 4. Mensch über 65 Jahren an einer Depression leidet, in keiner Altersgruppe ist die Selbstmordrate (Suizidrate) so hoch. Mehr als die Hälfte der Altersdepressionen werden nicht angemessen untersucht und behandelt. Ein Grund dafür ist, dass die Depressionssymptome nicht als solche erkannt, sondern als Teil des normalen Alterungsprozesses betrachtet werden. Verliert ein 70-jähriger Mensch das Interesse an seinen Hobbys und zieht sich von den Familienangehörigen zurück, dann heisst es oft: «So ist es eben im Alter.» Das Umfeld kommt gar nicht auf die Idee, dass die betroffene Person depressiv sein könnte.

Insbesondere Frauen sind von einer Depression im Alter betroffen, nicht zuletzt deswegen, weil sie eine höhere Lebenserwartung haben als Männer, und dann wichtige soziale Kontakte einfach wegbrechen, weil z.B. der Partner verstirbt.

Eine Angehörige berichtet:

«Meine Mutter lachte nicht mehr, wenn die Enkelinnen zu Besuch kamen. Sie wirkte ernster, in sich gekehrt.» Schon im vergangenen Sommer war Kathrin W. aus Berlin aufgefallen, dass sich ihre Mutter verändert hatte. Damals schrieb sie das den starken Rückenschmerzen zu, unter denen die Mutter schon länger litt. Doch nach einer mehrstündigen Rückenoperation mit anschliessendem Aufenthalt in einer Rehaklinik ging es psychisch weiter bergab. «Meine Mutter kümmerte sich immer weniger um den Haushalt - zuletzt sass sie nur noch im Sessel. Sogar was im Fernsehen lief, interessierte sie nicht mehr.» Kathrin W. entschloss sich, einen Psychiater aufzusuchen, der bei ihrer Mutter die Diagnose Depression stellte.

Symptome der Depression im Alter

Grundsätzlich sind die Symptome ähnlich denen einer Depression im jüngeren Lebensalter:

  • Gedrückte Stimmung
  • Innere Leere
  • Freudlosigkeit
  • Schlafstörungen
  • Grübelneigung
  • Unruhe oder Apathie

Besonderheiten sind:

  • Vermehrte körperliche Befindlichkeitsstörungen (Schmerzen, Unwohlsein)
  • Konzentrationsstörungen (häufig als beginnende Demenz verkannt)
  • Lebensmüdigkeit (bei alten Menschen mit Depression besonders häufig)

Gibt es Auslöser?

Depressionen im Alter werden häufig durch körperliche Erkrankungen ausgelöst. Das können Stoffwechsel- oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen sein, aber auch ein Schlaganfall, Parkinson oder ein Mangel an Vitamin B12 oder Folsäure. Auch Beruhigungsmittel vom Typ der Benzodiazepine, die der Hausarzt beispielsweise gegen Schlafstörungen verschreibt, können Antriebslosigkeit und Apathie verstärken.

Andere Auslöser können der Verlust des Partners oder der Selbständigkeit, Vereinsamung oder finanzielle Sorgen sein.

Häufig ist auch die Beendigung des aktiven Arbeitslebens ein wichtiger Faktor in der Auslösung der Depression im Alter. Insbesondere Menschen, die ‚für den Beruf' gelebt' haben, sind hier gefährdet. Das betrifft keinesfalls nur Männer, sondern auch in zunehmendem Maße Frauen. Plötzlich fehlt die Routine, es fehlen Herausforderungen, das Gefühl gebraucht zu werden und die sozialen Kontakte des Arbeits- und Berufslebens. Das kann viele Menschen in eine Sinnkrise stürzen, zumal es eines der äußeren Anzeichen dafür ist, ‚alt' zu sein.

Depression und Demenz

Es ist schwierig, eine Depression im Alter von einer beginnenden Demenz abzugrenzen - die Symptome sind teilweise sehr ähnlich. Deswegen muss in jedem Fall eine ausführliche neuropsychologische Abklärung erfolgen. So werden zum Beispiel das Gedächtnis, die Aufmerksamkeit und die Konzentration, das logische Denken und das Sprachverständnis geprüft. Auch eine Bildgebung des Gehirns sollte erfolgen, damit man strukturelle Veränderungen des Gehirn erkennen kann. Man muss aber wissen, dass die eine Diagnose die andere nicht ausschließt: In den Frühstadien von Demenzerkrankungen treten bei etwa der Hälfte der Betroffenen depressive Symptome wie Rückzug, Angst, Gereiztheit, Traurigkeit oder Interessenlosigkeit sowie Schlafstörungen auf.

Wie wird behandelt?

Die Therapie der Depression im Alter richtet sich zunächst nach den Auslösern, aber auch der Schwere und der Art der Symptome. Es stehen verschieden Medikamente zur Verfügung, die auch für den alten Menschen gut verträglich sind und z.B. auch keine Verschlechterung vorbestehender körperlicher Erkrankungen nach sich ziehen. Darüberhinaus müssen natürlich psychotherapeutische und soziale Aspekte in die Therapie einfließen. Ist beispielsweise Einsamkeit ein großes Problem, kann man versuchen den depressiven Menschen in soziale Aktivitäten einzugliedern. Auch die Wohnform kann entscheidend dazu beitragen, Depressionen und Ängste zu lindern. Aus diesen Gründen ist die Therapie der Depression im Alter komplex und muss sich an der individuellen Situation orientieren.