Depression im Wochenbett

Depression-Frau-WochenbettdepressionAuch das Wochenbett ist für knapp 20% der Frauen eine Zeit erhöhten Risikos, Depressionen und Angsterkrankungen zu entwickeln. Dabei ist besonders das Neugeborene gefährdet, da die Mutter oftmals keine Liebesgefühle für das Kind entwickeln kann. In dieser ausgesprochen belastenden Situation braucht die Patientin besondere Beratung und Therapie.

 

Nähere Informationen zur Erkrankung:

Wochenbettdepression was ist das eigentlich?

Es gibt vier Formen psychischer Erkrankungen im Wochenbett:

Postpartum-Blues,

die sog. "Heultage" (postpartum, lateinisch = nach der Geburt) Dieser beschreibt eine erhöhte Empfindsamkeit zwei bis vierzehn Tage nach der Geburt, in der es zu starken Stimmungsschwankungen kommt. Ausgelöst wird der Blues durch die rapiden hormonellen Veränderungen, die sich unmittelbar nach der Geburt ereignen. Es handelt sich hierbei nicht um eine Depression, eine Therapie ist somit nicht nötig!

Wochenbettdepression

Dauert der Postpartum Blues länger als 14 Tage an und kommen klassische Depressionssymptome hinzu (siehe unten), spricht man von einer Wochenbettdepression oder einer postpartalen Depression. Bis zu 15% aller Frauen leiden unter dieser Depressionsform.

Postpartale Psychose

Diese ist ein seltenes Ereignis (etwa 3 von 1000 Geburten) und stellt einen medizinischen Notfall dar. Es kommt zu einer sehr raschen Symptomentwicklung innerhalb von 24-72 Stunden nach der Geburt. Die Frauen haben Wahnvorstellungen und Sinnestäuschungen, sind entweder extrem euphorisch oder extrem gereizt. Es besteht eine akute Gefahr für Mutter und Kind.

Anpassungsstörung

Diese betrifft etwa 20 % der Frauen, die meisten suchen jedoch keine Behandlung. Im Vordergrund steht die Schwierigkeit, die Mutterrolle anzunehmen. Gehäuft tritt dies bei zwanghaften, ängstlichen und perfektionistischen Frauen auf. Auch bei Frauen, die ihr erstes Kind haben, kommt es oftmals zu einer Anpassungsstörung, indem sie ihr Kind extrem und überängstlich beobachten und Schwierigkeiten haben, es anzunehmen. Zur Behandlung ist eine kurze psychotherapeutische Intervention meist ausreichend. Beachtet werden sollte dennoch das erhöhte Risiko, eine postpartale Depression zu entwickeln.

Wie erkennt man eine Wochenebttdepression?

Folgende Symptome treten auf und sollten den dringenden Verdacht auf eine Wochenbettdepression nahelegen:

  • Innere Leere/Gefühllosigkeit
  • Energieverlust/Antriebslosigkeit
  • Schlaf-/Appetitstörungen
  • Grübelneigung, Konzentrationsstörungen
  • Halluzinationen, Wahnvorstellungen
  • Verlangsamung oder quälende Unruhe
  • Suizidalität (Lebensmüdigkeit)

Und zusätzlich

  • Fremdheit dem Kind gegenüber
  • Unfähigkeit das Kind anzunehmen
  • Fehlende Liebesgefühle
  • Zwangsgedanken, Zwangshandlungen
  • Gedanken daran, das Kind zu töten (meist bedingt durch irrationale Gedanken, wie z.B. das Leben ist nicht lebenswert, ich bin eine schlechte Mutter, ich will meinem Kind eine solche Mutter nicht zumuten)

Sehr quälend sind die sogenannten Zwangsgedanken und –handlungen, die bei bis zu 50% aller Mütter mit Wochenbettdepressionen auftreten. Hier kommt es zu absurden Gedanken, die die betroffene Frau aber nicht los wird, und die sie aber niemanden mitteilen kann, weil sie sich ihrer schämt. Dazu gehören:

  • Gedanken, das Kind zu verletzen
  • es fallen zu lassen
  • es zu ertränken
  • es zu erstechen
  • das Kind in die Mikrowelle/den Ofen stecken
  • es sexuell zu mißbrauchen
  • oder, jemand anders könnte das Kind stehlen
  • oder es sei bei der Geburt verwechselt worden

Um die quälenden Gedanken zu neutralisieren, oder aus Angst, man könnte die Gedanken doch in die Tat umsetzen, können Zwangshandlungen auftreten, die sich folgendermaßen zeigen:

  • Das Kind übermäßig oder gar nicht mehr reinigen
  • Ständige Kontrolle, ob es noch atmet, noch Herzschlag hat…
  • Das Kind nicht auf den Arm nehmen
  • Keine Treppen mit dem Kind gehen
  • Messer und Scheren verstecken
  • Die Küche nicht betreten
  • Milch nicht erwärmen
  • Die Windeln nicht wechseln
  • Das Haus nicht verlassen

Zwangsgedanken und –handlungen werden oft von den betroffenen Frauen nicht kommuniziert, weil sie ihnen so absurd und peinlich erscheinen und die Scham oft den einzig richtigen Weg verhindert: das Aufsuchen eines Facharztes für Psychiatrie, oder der Weg in das Zentrum für Seelische Frauengesundhei.

Therapie der Wochenbettdepression

Meistens ist eine medikamentöse Therapie erforderlich. Therapien, die das Körpergefühl verbessern und ggf. auch Psychotherapien, die sich vor allem mit der Reduktion von Schuldgefühlen und Zwangssymptomen befassen, sollten in jedem Fall auch durchgeführt werden. Hormonelle Mitbehandlung kann in manchen Fällen sinnvoll sein. Es gibt bestimmte Nahrungsergänzungsmittel, die bei der Behandlung der Wochenbettdepression helfen. In unserem Zentrum für Seelische Frauengesundheit erfolgt eine ganzheitliche Behandlung der Erkrankung. Es ist auch möglich, den Säugling mit unterzubringen, wenn es sinnvoll erscheint.